Freitag Morgen Kaffee N. 7: Das richtige Fischereinetz für die Aktienauswahl

200418 Friday Morning Coffee

Freitag Morgen Kaffee N. 7: Das richtige Fischereinetz für die Aktienauswahl

Als europäischer Portfoliomanager besteht unser Jagdrevier bei European Capital Partners aus mehr als 1500 börsennotierten Unternehmen in Europa, aus denen wir für unser Endportfolio zwischen 30 und 40 auswählen, die unseren strikten Anlagekriterien entsprechen und gleichzeitig den nötigen Bewertungsabschlag aufweisen. Im Rahmen unseres Value-Investment-Ansatzes richten wir unser Augenmerk auf Qualitätsunternehmen mit einer stark unterbewerteten Ertragskraft. Es ist schier unmöglich eine fundierte Meinung über die Ertragskraft aller Unternehmen in einem so großen grossen Universum zu haben, das aus sehr verschiedenen Sektoren und Regionen besteht. Wie die meisten Value-Investoren nutzen wir daher Filter, um unser Universum auf eine überschaubare Größe zu reduzieren und unsere Aufmerksamkeit auf eine begrenzte Anzahl vielversprechender Investmentkandidaten zu richten. In den letzten 15 Jahren habe ich unsere "Entrepreneurial Value" Investmentphilosophie basierend auf Ertragskraft angewandt und diese Filter konsequent verfeinert, um sicherzustellen, dass sie die bestmöglichen Ideen für unseren Investmentansatz liefern. Unter den verschiedenen Screenings die wir anwenden hat sich derjenige, der auf die Free-Cashflow-Rendite der Unternehmen basiert, im Laufe der Zeit als sehr leistungsfähig erwiesen. Der Free-Cashflow kann auf leicht unterschiedliche Art und Weise definiert werden, die gebräuchlichste Definition sind die Cashflow-Erträge nach Abzug der betätigten Investitionen .   Generiert ein Unternehmen positives Free-Cashflow bedeutet das dass das Unternehmen mehr liquide Mittel generiert, als es für sein Geschäft benötigt. Es ist also wenig auf die Kapitalmärkte angewiesen um sich zu finanzieren und in Wachstumsmöglichkeiten zu investieren, Dividenden zu zahlen oder Aktien zurückzukaufen. Darüber hinaus ist der Free-Cashflow in der Regel ein robusteres Maß für die Rentabilität als der Nettogewinn, da es weniger durch geschickte Buchhaltung verschönert werden kann. Ein einfacher Backtest, der Transaktionskosten ausschließt, zeigt dass sich die Aktienkurse der Unternehmen mit hoher Free-Cashflow-Rendite deutlich besser entwickelt haben als diejenigen mit niedriger Rendite und das in Europa über verschiedene Zeiträume hinweg. In den letzten 10 Jahren beispielsweise lieferten die 20% der Unternehmen mit den höchsten Cashflow-Renditen eine Kursentwicklung die jährlich 12,3% höher lag als die der 20% Unternehmen mit dem niedrigsten Free-Cashflow-Rendite !   Quelle: Bloomberg, ECP.   Obwohl die Free-Cash-Flow-Rendite ein mächtiges Werkzeug zu sein scheint, beschränken wir unsere Analyse nicht darauf und benutzen auch andere Screenings, um neue Anlageideen zu generieren. Diese Fischereinetze sind nur die erste Stufe eines hausinternen mehrstufigen Prozesses. Er besteht aus einer gründlichen Fundamentalanalyse mit dem Ziel, qualitativ hochwertige Unternehmen zu identifizieren, die von einem starken Wettbewerbsvorteil profitieren, um so in Zukunft eine hohe Profitabilität zu erzielen. Wir wollen gleichzeitig die sogenannten „Valuetraps“ vermeiden, die sich hinter einfachen Kennzahlen verstecken können. Dafür erhalten wir als Stock Picker eine Verwaltungsgebühr.