Freitag Morgen Kaffee N. 1: Die Ruhe vor dem Sturm?

030318 Friday Morning Coffee

Freitag Morgen Kaffee N. 1: Die Ruhe vor dem Sturm?

Ich wollte Sie zu unserer neuen ECP-Wochenkolumne willkommen heißen, die ab heute jeden Freitagmorgen erscheint. Unser Ziel ist es Ihnen einen kurzen Überblick darüber zu verschaffen, was uns auf der Investmentseite aktuell beschäftigt und gleichzeitig zu erläutern wie wir als Stock Picker und Value-Investoren den europäischen Markt einschätzen. Wir hoffen Ihnen einige interessante Denkanstöße und Perspektiven auf aktuelle Marktereignisse geben zu können.   Léon Kirch, CFA - Partner & Chief Investment Officer
  In unseren letzten Veröffentlichungen habe ich wiederholt meine positive Einschätzung auf europäische Aktien auf Basis einer erhöhten Wirtschaftstätigkeit, steigender Unternehmensgewinne und angemessener Marktbewertungen im Vergleich zu ihrer eigenen Geschichte und den USA zum Ausdruck gebracht.     Anfang Februar erlebten wir dann synchron mit der Wall Street in Europa Gewinnmitnahmen bei europäischen Aktien. US-Investoren befürchteten, dass die Zentralbanken ihre ultra-laxen Geldpolitik schneller als erwartet beenden könnten. Infolgedessen stieg die Volatilität von dem ungewöhnlich niedrigen Niveau das wir 2017 kannten, bevor der Markt im Laufe des Monats die Hälfte der erlittenen Kursverluste wiedergutmachen konnte.   Ist das die Ruhe vor dem Sturm? Es ist schwer zu leugnen, dass in Europa einige Wolken am Horizont aufgetaucht sind, die das seit Anfang 2017 vorherrschende lebhafte und sich verbessernde Geschäftsklima belasten. Die europäischen EMI‘s zeigen zwar immer noch ein Niveau  über 50 , also Wirtschaftswachstum , haben sich aber in diesem Jahr von ihren Rekordniveaus verschlechtert. Quelle: Bloomberg.   Die Gründe dafür, dass sich das Geschäftsklima jetzt trübt, sind schnell ausgemacht: einerseits könnten der schwache USD und das protektionistische Säbelrasseln  von Trump die europäischen Exportunternehmen belasten, und andererseits bleibt das allgemeine politische Klima in Europa fragil wie die Wahlen letztes Wochenende in Italien und die Schwierigkeit, bei den Brexit-Verhandlungen echte Fortschritte zu erzielen klar gezeigt haben.   Auf Unternehmensebene befinden wir uns mitten in der Periode der Quartalsberichterstattungen, die positiv zu verlaufen scheinen. Die Unternehmen in unserem Portfolio haben uns nicht enttäuscht und zwar nicht nur auf der Seite der Quartalszahlen sondern auch der Gewinnprognosen der Geschäftsführungen für dieses Jahr.  Einige unserer Unternehmen erzielten sogar hervorragende Ergebnisse. So konnte beispielsweise der schwedische Strahlentherapieanbieter Elekta dank Sanierungsmaßnahmen seine Rentabilität spürbar verbessern und profitiert von einem wachsenden Auftragsbestand, während die Markteinführung des neuen Produkts, das Bildgebung und Bestrahlung kombinieren kann, nach Plan vorangeht. In ähnlicher Weise hat Rolls Royce ein Kostensenkungsprogramm erfolgreich umgesetzt und sollte künftig in der Lage sein, einen gesunden Cashflow zu generieren. Für uns sind diese zwei Beispiele anekdotische Beweise dafür, dass europäische Unternehmen die Erträge vorzeigen können, die die Anleger erwartet haben.   2017 war das erste Jahr seit langem, wo die Analysten ihre Prognosen für das Gewinnwachstum des Jahres nicht Monat für Monat nach unten korrigieren mussten, um schlussendlich im negativen Bereich zu enden. Trotz der kurzfristigen Turbulenzen sehen wir derzeit keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass das Ergebnis europäischer Unternehmen 2018 schrumpfen wird. Wir gehen zwar davon aus, dass die Volatilität im Vergleich zu den niedrigen Niveaus der jüngsten Vergangenheit steigen wird, aber wir sind davon überzeugt, dass der Motor europäischer Aktien, d. h. die Unternehmensgewinne, intakt sind. Wir bereiten uns daher auf mehr Wellengang vor, aber fürchten keinen ausgewachsenen Sturm. Mehr als je zuvor sind wir überzeugt dass in einem solchen Umfeld die beste Verteidigung ein konsequenter Investmentansatzes ist, der sich auf die Ertragskraft der Unternehmen konzentriert und  in solide Geschäftsmodelle investiert mit starken Bilanzen und das natürlich zu den niedrigen Bewertungen, die wir als Value-Investoren erwarten.